Times Square WerbetafelQuelle: pexels/ Jose Francisco Fernandez Saura
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Redaktion

Werbung für Glücksspiele: Fakten und Zahlen

Glücksspiele sind mittlerweile ein fester Bestandteil in der Werbeindustrie geworden. Auf allen möglichen Werbeplattformen begegnet man früher oder später verlockenden Angeboten für Sportwetten, Online-Casinos, Online-Poker oder Automatenspiele.

Kurz und knapp:

  • 42,5 % der 16- und 17-Jährigen haben in den letzten 30 Tagen glücksspielbezogene Werbung wahrgenommen
  • 41,2 % der von einer schweren Glücksspielstörung Betroffenen probieren aufgrund von Werbung neue Glücksspiele aus (1)
  • Glücksspielanbieter:innen investierten von Juli 2020 bis Juni 2021 mehr als 582 Millionen Euro in Werbung, der größte Anteil entfiel mit rund 245,6 Millionen Euro auf Online-Casinos (2)
  • Die meist genannten Orte für die Wahrnehmung von glücksspielbezogener Werbung sind Fernsehen (74,3 %), Internet (51,9 %) und Social Media (49,6 %) (3)

Ein paar Fakten zu Glücksspielwerbung:

  1. Werbezeit

    Ist dir schon einmal aufgefallen, dass eher abends bzw. nachts Werbung für fast alle Online-Glücksspiele gemacht wird? Das liegt daran, dass die Werbezeit im Rundfunk und Internet für virtuelle Automatenspiele, Online-Poker, Online-Casinospiel nur zwischen 21 Uhr und 6 Uhr erlaubt ist.
    Für Sportwetten hingegen ist Werbung zu jeder Uhrzeit erlaubt. Beispielsweise während der Übertragung der Fußball-Europameisterschaft 2021 wurde viel Werbung für Sportwetten bei den TV-Sendern gemacht.

  2. Sponsoren-Werbung und Dachmarkenwerbung

    Alle Fußball-Vereine der 1. Bundesliga und die meisten der 2. Bundesliga und 3. Liga besitzen aktuell eine Kooperation mit Sportwettanbieter:innen. Die Werbung von Sponsor:innen wird vor, während oder nach Sportereignissen geschaltet. Dachmarkenwerbung (=beinhalten alle Produkte eines Unternehmens) wird vor Ort auf Banden, Boden und Trikots gedruckt bzw. eingeblendet.

  3. Werbung mit berühmten Persönlichkeiten

    Vor dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (4) konnten aktuelle Sportler:innen und Funktionär:innen, wie zum Beispiel Oliver Kahn und Lothar Matthäus für Glücksspielanbieter:innen werben. Mittlerweile ist das nur noch ehemaligen Sportler:innen, Sportexpert:innen und Influencer: innen erlaubt. Hier bleibt abzuwarten, wer mit Glücksspielanbieter:innen zukünftig zusammenarbeiten wird.

  4. Werbung mit Vorteilen (Boni, Rabatte)

    Viele Glücksspielanbieter:innen werben online mit Startguthaben, Willkommens- oder Aktionsboni, Freispielen oder Gratiswetten. Zum Beispiel: Mit der Joker-Wette erhält man den vollen Wetteinsatz in Form einer Gratiswette zurückerstattetet, wenn man sich vorher registriert hat und einen Mindestbeitrag eingezahlt hat. Einen Einblick zu weiteren Werbestrategien der Wettanbieter:innen erhältst du hier.

  5.   Werbung auf Webseiten

    Personen, die Webseiten betreiben (genannt: „Affiliates“) können mit Glücksspielanbieter:innen zusammenarbeiten. Diese schalten dann Werbung, zum Beispiel in Form von Bannern oder Links zu Glücksspielangeboten und erhalten eine erfolgsabhängige Vergütung (pro Klick, pro Aktion o.ä.).

  6. Werbung über Videoportale, Streamingdienste und Social Media-Plattformen

    Glücksspielanbieter:innen können Werbung auf Instagram, Youtube und Co. nach vorheriger Prüfung bzw. Genehmigung schalten. Bei Twitch sind Glücksspielseiten, die für Spielautomaten (Slots), Roulette oder Würfelspiele, die in den USA und anderen Ländern mit ausreichenden Verbraucherschutz keine Lizenz besitzen, mittlerweile verboten. Webseiten und Streams von Sportwetten, Poker, Fantasy-Sport und “Pack Openings“ sind dagegen weiterhin erlaubt.

  7. Werbung für simuliertes Glücksspiel

    Bei vielen kostenlosen Apps werden Werbebanner und –spots eingeblendet, die sich gar nicht oder nur schwer wegklicken lassen. Zudem gibt es in vielen Gelegenheitsspielen („Casual Games“) und Spielen für Kinder glücksspielähnliche Elemente, wie Glücksräder oder Automaten. Beispielsweise das bekannte Spiel „Coin Master“ beinhaltet solche glücksspielähnlichen Elemente und wurde bereits in der Satire-Sendung „ZDF Magazin Royale“ mit Jan Böhmermann hierfür stark kritisiert. (5)

 

GlücksspielautomatenQuelle: pexels/ Darya Sannikova

Warum steht Glücksspielwerbung in der Kritik?

Die ständige Präsenz von Glücksspielen in der Werbung erweckt den Eindruck, dass sie harmlos sind und als normal in der Gesellschaft gelten. Es gilt jedoch als wissenschaftlich belegt, dass Glücksspiele ein hohes Suchtpotential haben. Viele befragte Personen geben an, aufgrund von Werbung mit dem Glücksspiel angefangen zu haben. Problematisch ist außerdem, dass junge Menschen (auch Minderjährige) besonders früh mit Glücksspielwerbung in Kontakt kommen. (6)

Was sollte sich ändern?

Eine Arbeitsgruppe der Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht hat am 7. März 2022 ein Positionspapier (7) veröffentlicht, in dem Sie die aktuellen gesetzlichen Regelungen zur Werbung für Online-Glücksspiele und Sportwetten stark kritisieren und neue Beschränkungen von Glücksspielwerbung fordern:

1. Verbot von Sponsor:innen-Werbung:

Es sollten keine zusätzlichen Kaufanreize, zum Beispiel beim Zuschauen von Sportveranstaltungen, geschaffen werden.

2. Ausweitung zeitlicher und örtlicher Beschränkungen

Die Übertragung von Glücksspielwerbung sollte erst ab 23 Uhr möglich sein, um besonders Jüngere zu schützen. Sportwetten sollten hier miteingeschlossen werden.

3. Ausweitung des Werbeverbots mit berühmten Persönlichkeiten

Auch ehemalige Sportler:innen, Sportexpert:innen sowie Influencer:innen sollten für Glücksspiel keine Werbung machen dürfen, da sie oft ein hohes Vertrauen von den Zuschauer*innen geschenkt bekommen und damit Glücksspielen ein positives Image geben.

4. Verbot von Vorteilen (z.B. Boni, Rabatte)

Es sollten alle Glücksspieler:innen grundsätzlich keine Vorteile gewährt werden. Vor allem Neukund:innen werden durch scheinbare Geldgeschenke und Rabattaktionen angelockt und zur Erstteilnahme animiert.

5. Verbot von Werbung auf Webseiten

Die Partnerprogramme zwischen Webseitenbetreiber:innen und Glückspielanbieter:innen sind nicht geeignet, um nur die bereits spielenden Personen zu erreichen. Es werden auch Personen angesprochen, die bisher noch nicht an Glücksspielen teilgenommen haben.

6. Werbeverbot über Videoportale, Streamingdienste und Social Media-Plattformen

Es werden vor allem junge Menschen über deren bevorzugten Kanäle mit Glücksspielwerbung angesprochen. Daher sollte für diese Kanäle ein Werbeverbot eingeführt werden.

7. Werbeverbot für simuliertes Glücksspiel

Werbung für glücksspielähnliche Produkte, die sich vor allem an Minderjährige richten, stellt gleichzeitig indirekte Werbung für echtes Glücksspiel dar. Hier werden häufig kostenlose Online-Spiele angeboten, welche wie ein klassisches Glücksspiel wirken (z.B.: Online-Casinoautomaten), aber ohne Kosten oder Einsatz gespielt werden.

8. Erweiterte Werbevorschriften in der Erlaubniserteilung

Der Hinweis zur zentralen länderübergreifenden Hilfsplattform www.bundesweit-gegen-gluecksspielsucht.de (alternativ: www.buwei.de) sollte verpflichtend sein.

Hinweis: Falls du eine Beschwerde zur Werbung von Glücksspiel einreichen möchtest kannst du das völlig anonym hier machen.
Seit dem 2. August 2022 setzt sich das Bündnis gegen Sportwetten-Werbung (BgSwW) für die weitestgehende Einschränkung von Sportwetten-Werbung ein, wie es bereits andere europäische Länder getan haben. Vor allem junge Menschen sollen hierdurch geschützt werden, ihr Geld nicht durch Wetten zu verzocken. Wenn du auch etwas bewirken willst, kannst du hier Mitglied werden und das Team unterstützen.

Du kennst jemanden der zu viel verzockt hat oder bist selbst betroffen? Dann tausch dich hier aus und schau dir unseren Blogbeitrag zur Spielersperre an.

Finde hier heraus, was du über Glücksspiele weißt und wie dein eigenes Spielverhalten ist.

  1. https://cache.pressmailing.net/content/dd981838-df96-4cab-991b-737c6926a605/2022-03-14_Bericht_G~iel-Survey%202021.pdf
  2. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/516408/umfrage/werbeausgaben-im-gluecksspielmarkt-in-deutschland/
  3. https://cache.pressmailing.net/content/dd981838-df96-4cab-991b-737c6926a605/2022-03-14_Bericht_G~iel-Survey%202021.pdf
  4. https://gesetze.berlin.de/bsbe/document/aiz-jlr-Gl%C3%BCStVtrBE2021rahmen%4020210701
  5. https://www.youtube.com/watch?v=hTeTjx4k9jQ
  6. https://www.bzga.de/fileadmin/user_upload/PDF/studien/BZgA-Forschungsbericht_Gluecksspielsurvey_2019.pdf
  7. https://www.konturen.de/wp-content/uploads/2022/03/Positionspapier_Gluecksspielwerbung_07-03-2022.pdf

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