Glücksspiel-GeräteQuelle: pexels / Darya Sannikova

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Zocken
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Sophie Schmid (Projektleiterin Präventionsprojekt Glücksspiel), 28 Jahre

Glücksspiele bei Jugendlichen

Glücksspiele sind im juristischen Sinne klar definiert. So muss für die Spielteilnahme bzw. die Chance auf einen Geldgewinn ein Einsatz verlangt werden. Der Einsatz erfolgt dabei in Form von Echtgeld. Ein weiteres wichtiges Kriterium ist, dass der Ausgang des Spiels ganz oder zumindest überwiegend vom Zufall abhängig ist. Das trifft auch auf Sportwetten oder Poker zu. Zwar haben diese Glücksspiele einen geringen sogenannten „Kompetenzanteil“, die Karten werden aber zufällig verteilt und beim Wetten auf den Ausgang eines Sportereignisses gibt es natürlich auch eine ziemlich große Zufallskomponente (z.B.: Der beste Spieler auf dem Platz verletzt sich und kann nicht weiterspielen).

Wer gewinnt wirklich mit Glücksspielen?

Trotzdem machen insbesondere die Anbieter:innen von Sportwetten damit Werbung, dass man durch Zocken (Wetten)  das eigene  Wissen zu Geld machen kann – ein Trugschluss. Glücksspiele eignen sich grundsätzlich nicht dazu, reich zu werden. Auf lange Sicht gewinnen immer die Anbieter:innen, während die Spieler:innen verlieren. Leider ist es kein Geheimnis, dass die Teilnahme an Glücksspielen insbesondere für junge Menschen verlockend scheint. Die Gründe zum Zocken (Glücksspielteilnahme) sind oft  vielseitig. Sie reichen von Neugier, Nervenkitzel und Spaß bis hin zur Verdrängung negativer Gefühle. In der Abbildung findest du ein paar Beispiele. Darüber hinaus gibt es natürlich noch viele weitere Gründe.

Was sind die Motive?

Wichtig ist, dass man sich der eigenen Motive stets bewusst sein sollte indem man sich fragt, warum man gerade jetzt und warum genau dieses Glücksspiel zocken möchte. Wenn negative Gefühle oder die Hoffnung auf das große Geld Teil der Antwort sind, solltest du lieber die Finger vom Glücksspiel lassen.

 

 

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Gründe für das ZockenGründe und Motive für das Zocken: 1. Erfahrungen 2. Vorbilder 3. Neue Trends 4. Sportbegeisterung 5. Kleines Geld 6. Nervenkitzel und Spaß 7. Abschalten

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Dauerkontakt mit Glücksspielen

Die Medien sind voll mit Glücksspielwerbung. Überall im Fernsehen, bei Streaming-Diensten wird man mit Angeboten und Bonuszahlungen gelockt. Die Verführung ist groß und auch in scheinbar harmlosen Computer- und App-Spielen, die gar nichts mit Glücksspiel zu tun haben, finden sich Elemente oder Simulationen aus dem Glücksspielbereich. Selbst bei der Live-Übertragung des nächsten Bundesliga-Spiels lauert der nächste Wettanbieter schon auf der Bande. Es ist nahezu unmöglich, keinen Kontakt mit Glücksspielen zu haben. Sei es durch die massive Werbung der Anbieter:innen oder den eher beiläufigen Kontakt in scheinbar harmlosen Handy-, Computer-, oder Videospielen. Das Problem: Durch den ständigen Kontakt mit Glücksspielen werden diese zur Normalität. Sie scheinen irgendwie etwas Alltägliches zu sein, suggerieren Spaß, die Aussicht auf schnelles Geld, den perfekten Zeitvertreib und die Chance, das eigene Wissen zu Geld zu machen.

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Simuliertes Glücksspiel

Simulierte Glücksspiele ähneln vom Aufbau her dem richtigen Glücksspiel. Allerdings ist in der Regel mindestens ein Kriterium für Glücksspiel (Geldeinsatz, Geldgewinn, Zufall) nicht erfüllt. Zum Beispiel verbleibt der Gewinn in Form von Punkten oder Gegenständen im Spiel, Algorithmen steuern das Ergebnis oder der Geldeinsatz ist optional, um sich einen Vorteil im Spiel zu erkaufen. Bestimmt bist auch du schon einmal über ein Glücksrad, einen Automaten oder eine Beutekiste, der sogenannten Lootbox, gestolpert. Da diese Elemente rechtlich nicht zum Glücksspiel zählen, dürfen sie bereits von Personen unter 18 Jahren gespielt werden – allerdings nicht ohne Risiken. So werden durch simulierte Glücksspiele, beispielsweise beim Pokerspielen um Punkte, häufig unrealistische Gewinnerwartungen gefördert. Die Hemmschwelle, an echtem Glücksspiel teilzunehmen, sinkt.

 

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7,6 % der 16-17 Jährigen hat in den letzten 12 Monaten teilgenommen

Bereits 7,6 % der 16- und 17-Jährigen haben laut neuesten Untersuchungen in den letzten 12 Monaten an einem Glücksspiel teilgenommen. Und das, obwohl die Teilnahme an Glücksspielen in Deutschland erst ab 18 Jahren erlaubt ist. Bei den 18- bis 20-Jährigen sind es bereits 16,2 % und bei den 21- bis 25-Jährigen fast jede*r Vierte (24,3 %).[1]

Am beliebtesten sind bei den Jugendlichen (16- bis 25-Jährigen) Rubbellose und Lotto (6 aus 49). Doch auch Geldspielautomaten in Gaststätten und Spielhallen, Sportwetten, Automatenspiele im Internet, Poker und Black Jack werden im Vergleich zu anderen Glücksspielen häufiger gespielt. Dabei nehmen deutlich mehr Männer als Frauen an Glücksspielen teil. [1]

Ab wann ist es problematisch?

Die Teilnahme an Glücksspielen ist an sich zunächst nichts Schlimmes. Verschiedene Faktoren können jedoch dazu führen, dass sich ein problematisches Spielverhalten entwickelt, bei dem beispielsweise die Kontrolle über das Ausmaß und den Umfang des Spielens verloren geht, Schulden entstehen oder es kommt zu Auswirkungen auf das familiäre, berufliche oder schulische Umfeld. Dieser Prozess findet meist schleichend statt. Oftmals wird zunächst nur der Umfang des Spielens gesteigert. Aus 5€ Einsatz werden 10€, aus einmal im Monat wird einmal in der Woche, usw. Häufig versucht man dann, das Ausmaß zu vertuschen, belügt Freunde und Familie oder spielt nur noch heimlich. Das sind bereits die ersten Anzeichen, dass das Spielverhalten nicht mehr unproblematisch ist. Es kann aber auch sein, dass man andere Hobbies vernachlässigt, Treffen mit Freund*innen verschiebt oder Termine versäumt, weil das Glücksspielen immer weiter in den Vordergrund rückt. Wenn man sich Geld leiht, um weiterzuspielen, macht man bereits erste Schulden. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Geld direkt zum Spielen verwendet wird oder für Dinge, die man aufgrund der Zockerei ansonsten nicht mehr bezahlen könnte. Trotz der negativen Auswirkungen ist es schwer, einfach mit dem Spielen aufzuhören. Die Kontrolle über das eigene Spielverhalten geht verloren.

 

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Quelle: Buth / Meyer / Kalke 2022

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Glücksspielstörung und Jugendliche/ junge Erwachsene:

In der Abbildung kannst du sehen, dass das leider gar nicht so wenige junge Menschen betrifft. So weisen etwa 4,3 % der 21- bis 25-Jährigen eine Glücksspielstörung auf [1]. Das bedeutet, dass es unter 23 Personen dieser Altersgruppe eine gibt, die einen problematischen bzw. süchtigen Umgang mit Glücksspielen hat.

Grundsätzlich gelten Jugendliche und junge Erwachsene als besonders gefährdet, zumindest zeitweise glücksspielbezogene Belastungen zu entwickeln [2]. Das bedeutet aber nicht, dass alle junge Menschen von Glücksspielen süchtig werden. Wenn du ab und zu an einem Glücksspiel teilnehmen willst, gibt es ein paar Tipps, an die du dich für einen möglichst risikoarmen Umgang mit Glücksspielen halten kannst. Welche genau das sind, erfährst du demnächst in einem anderen Artikel.

Wenn du dir unsicher bist, ob dein Spielverhalten unproblematisch ist, kannst du unseren Selbsttest ausfüllen. Dabei erfährst du mehr über deine Spielweise und worauf du achten kannst, damit das Glücksspiel nicht zu Problemen führt. Probiere es gerne mal aus.

 

 

  1. Buth, S.; Meyer, G.; Kalke, J. (2022). Glücksspielteilnahme und glücksspielbezogene Probleme in der Bevölkerung – Ergebnisse des Glücksspiel-Survey 2021. Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung (ISD), Hamburg
  2. Hayer, T., Rumpf, H.-J. & Meyer, G.(2014). Glücksspielsucht. In K. Mann (Hrsg.). Verhaltenssüchte: Grundlagen, Diagnostik, Therapie, Prävention (S. 11 – 31). Berlin, Springer.

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