Times Square WerbetafelQuelle: pexels/ Jose Francisco Fernandez Saura
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Werbung für Glücksspiele: Fakten und Zahlen

Glücksspiele sind mittlerweile ein fester Bestandteil in der Werbeindustrie geworden. Auf allen möglichen Werbeplattformen begegnet man früher oder später verlockenden Angeboten für Sportwetten, Online-Casinos, Online-Poker oder Automatenspiele.

Kurz und knapp:

  • 42,5 % der 16- und 17-Jährigen haben in den letzten 30 Tagen glücksspielbezogene Werbung wahrgenommen
  • 41,2 % der von einer schweren Glücksspielstörung Betroffenen probieren aufgrund von Werbung neue Glücksspiele aus (1)
  • Glücksspielanbieter:innen investierten von Juli 2020 bis Juni 2021 mehr als 582 Millionen Euro in Werbung, der größte Anteil entfiel mit rund 245,6 Millionen Euro auf Online-Casinos (2)
  • Die meist genannten Orte für die Wahrnehmung von glücksspielbezogener Werbung sind Fernsehen (74,3 %), Internet (51,9 %) und Social Media (49,6 %) (3)

Ein paar Fakten zu Glücksspielwerbung:

  1. Werbezeit

    Ist dir schon einmal aufgefallen, dass eher abends bzw. nachts Werbung für fast alle Online-Glücksspiele gemacht wird? Das liegt daran, dass die Werbezeit im Rundfunk und Internet für virtuelle Automatenspiele, Online-Poker, Online-Casinospiel nur zwischen 21 Uhr und 6 Uhr erlaubt ist.
    Für Sportwetten hingegen ist Werbung zu jeder Uhrzeit erlaubt. Beispielsweise während der Übertragung der Fußball-Europameisterschaft 2021 wurde viel Werbung für Sportwetten bei den TV-Sendern gemacht.

  2. Sponsoren-Werbung und Dachmarkenwerbung

    Alle Fußball-Vereine der 1. Bundesliga und die meisten der 2. Bundesliga und 3. Liga besitzen aktuell eine Kooperation mit Sportwettanbieter:innen. Die Werbung von Sponsor:innen wird vor, während oder nach Sportereignissen geschaltet. Dachmarkenwerbung (=beinhalten alle Produkte eines Unternehmens) wird vor Ort auf Banden, Boden und Trikots gedruckt bzw. eingeblendet.

  3. Werbung mit berühmten Persönlichkeiten

    Vor dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (4) konnten aktuelle Sportler:innen und Funktionär:innen, wie zum Beispiel Oliver Kahn und Lothar Matthäus für Glücksspielanbieter:innen werben. Mittlerweile ist das nur noch ehemaligen Sportler:innen, Sportexpert:innen und Influencer: innen erlaubt. Hier bleibt abzuwarten, wer mit Glücksspielanbieter:innen zukünftig zusammenarbeiten wird.

  4. Werbung mit Vorteilen (Boni, Rabatte)

    Viele Glücksspielanbieter:innen werben online mit Startguthaben, Willkommens- oder Aktionsboni, Freispielen oder Gratiswetten. Zum Beispiel: Mit der Joker-Wette erhält man den vollen Wetteinsatz in Form einer Gratiswette zurückerstattetet, wenn man sich vorher registriert hat und einen Mindestbeitrag eingezahlt hat. Einen Einblick zu weiteren Werbestrategien der Wettanbieter:innen erhältst du hier.

  5.   Werbung auf Webseiten

    Personen, die Webseiten betreiben (genannt: „Affiliates“) können mit Glücksspielanbieter:innen zusammenarbeiten. Diese schalten dann Werbung, zum Beispiel in Form von Bannern oder Links zu Glücksspielangeboten und erhalten eine erfolgsabhängige Vergütung (pro Klick, pro Aktion o.ä.).

  6. Werbung über Videoportale, Streamingdienste und Social Media-Plattformen

    Glücksspielanbieter:innen können Werbung auf Instagram, Youtube und Co. nach vorheriger Prüfung bzw. Genehmigung schalten. Bei Twitch sind Glücksspielseiten, die für Spielautomaten (Slots), Roulette oder Würfelspiele, die in den USA und anderen Ländern mit ausreichenden Verbraucherschutz keine Lizenz besitzen, mittlerweile verboten. Webseiten und Streams von Sportwetten, Poker, Fantasy-Sport und “Pack Openings“ sind dagegen weiterhin erlaubt.

  7. Werbung für simuliertes Glücksspiel

    Bei vielen kostenlosen Apps werden Werbebanner und –spots eingeblendet, die sich gar nicht oder nur schwer wegklicken lassen. Zudem gibt es in vielen Gelegenheitsspielen („Casual Games“) und Spielen für Kinder glücksspielähnliche Elemente, wie Glücksräder oder Automaten. Beispielsweise das bekannte Spiel „Coin Master“ beinhaltet solche glücksspielähnlichen Elemente und wurde bereits in der Satire-Sendung „ZDF Magazin Royale“ mit Jan Böhmermann hierfür stark kritisiert. (5)

 

GlücksspielautomatenQuelle: pexels/ Darya Sannikova

Warum steht Glücksspielwerbung in der Kritik?

Die ständige Präsenz von Glücksspielen in der Werbung erweckt den Eindruck, dass sie harmlos sind und als normal in der Gesellschaft gelten. Es gilt jedoch als wissenschaftlich belegt, dass Glücksspiele ein hohes Suchtpotential haben. Viele befragte Personen geben an, aufgrund von Werbung mit dem Glücksspiel angefangen zu haben. Problematisch ist außerdem, dass junge Menschen (auch Minderjährige) besonders früh mit Glücksspielwerbung in Kontakt kommen. (6)

Was sollte sich ändern?

Eine Arbeitsgruppe der Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht hat am 7. März 2022 ein Positionspapier (7) veröffentlicht, in dem Sie die aktuellen gesetzlichen Regelungen zur Werbung für Online-Glücksspiele und Sportwetten stark kritisieren und neue Beschränkungen von Glücksspielwerbung fordern:

1. Verbot von Sponsor:innen-Werbung:

Es sollten keine zusätzlichen Kaufanreize, zum Beispiel beim Zuschauen von Sportveranstaltungen, geschaffen werden.

2. Ausweitung zeitlicher und örtlicher Beschränkungen

Die Übertragung von Glücksspielwerbung sollte erst ab 23 Uhr möglich sein, um besonders Jüngere zu schützen. Sportwetten sollten hier miteingeschlossen werden.

3. Ausweitung des Werbeverbots mit berühmten Persönlichkeiten

Auch ehemalige Sportler:innen, Sportexpert:innen sowie Influencer:innen sollten für Glücksspiel keine Werbung machen dürfen, da sie oft ein hohes Vertrauen von den Zuschauer*innen geschenkt bekommen und damit Glücksspielen ein positives Image geben.

4. Verbot von Vorteilen (z.B. Boni, Rabatte)

Es sollten alle Glücksspieler:innen grundsätzlich keine Vorteile gewährt werden. Vor allem Neukund:innen werden durch scheinbare Geldgeschenke und Rabattaktionen angelockt und zur Erstteilnahme animiert.

5. Verbot von Werbung auf Webseiten

Die Partnerprogramme zwischen Webseitenbetreiber:innen und Glückspielanbieter:innen sind nicht geeignet, um nur die bereits spielenden Personen zu erreichen. Es werden auch Personen angesprochen, die bisher noch nicht an Glücksspielen teilgenommen haben.

6. Werbeverbot über Videoportale, Streamingdienste und Social Media-Plattformen

Es werden vor allem junge Menschen über deren bevorzugten Kanäle mit Glücksspielwerbung angesprochen. Daher sollte für diese Kanäle ein Werbeverbot eingeführt werden.

7. Werbeverbot für simuliertes Glücksspiel

Werbung für glücksspielähnliche Produkte, die sich vor allem an Minderjährige richten, stellt gleichzeitig indirekte Werbung für echtes Glücksspiel dar. Hier werden häufig kostenlose Online-Spiele angeboten, welche wie ein klassisches Glücksspiel wirken (z.B.: Online-Casinoautomaten), aber ohne Kosten oder Einsatz gespielt werden.

8. Erweiterte Werbevorschriften in der Erlaubniserteilung

Der Hinweis zur zentralen länderübergreifenden Hilfsplattform www.bundesweit-gegen-gluecksspielsucht.de (alternativ: www.buwei.de) sollte verpflichtend sein.

Hinweis: Falls du eine Beschwerde zur Werbung von Glücksspiel einreichen möchtest kannst du das völlig anonym hier machen.
Seit dem 2. August 2022 setzt sich das Bündnis gegen Sportwetten-Werbung (BgSwW) für die weitestgehende Einschränkung von Sportwetten-Werbung ein, wie es bereits andere europäische Länder getan haben. Vor allem junge Menschen sollen hierdurch geschützt werden, ihr Geld nicht durch Wetten zu verzocken. Wenn du auch etwas bewirken willst, kannst du hier Mitglied werden und das Team unterstützen.

Du kennst jemanden der zu viel verzockt hat oder bist selbst betroffen? Dann tausch dich hier aus und schau dir unseren Blogbeitrag zur Spielersperre an.

Finde hier heraus, was du über Glücksspiele weißt und wie dein eigenes Spielverhalten ist.

  1. https://cache.pressmailing.net/content/dd981838-df96-4cab-991b-737c6926a605/2022-03-14_Bericht_G~iel-Survey%202021.pdf
  2. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/516408/umfrage/werbeausgaben-im-gluecksspielmarkt-in-deutschland/
  3. https://cache.pressmailing.net/content/dd981838-df96-4cab-991b-737c6926a605/2022-03-14_Bericht_G~iel-Survey%202021.pdf
  4. https://gesetze.berlin.de/bsbe/document/aiz-jlr-Gl%C3%BCStVtrBE2021rahmen%4020210701
  5. https://www.youtube.com/watch?v=hTeTjx4k9jQ
  6. https://www.bzga.de/fileadmin/user_upload/PDF/studien/BZgA-Forschungsbericht_Gluecksspielsurvey_2019.pdf
  7. https://www.konturen.de/wp-content/uploads/2022/03/Positionspapier_Gluecksspielwerbung_07-03-2022.pdf
Glücksspiel-GeräteQuelle: pexels / Darya Sannikova
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Sophie Schmid (Projektleiterin Präventionsprojekt Glücksspiel), 29 Jahre

Glücksspiele bei Jugendlichen

Glücksspiele sind im juristischen Sinne klar definiert. So muss für die Spielteilnahme bzw. die Chance auf einen Geldgewinn ein Einsatz verlangt werden. Der Einsatz erfolgt dabei in Form von Echtgeld. Ein weiteres wichtiges Kriterium ist, dass der Ausgang des Spiels ganz oder zumindest überwiegend vom Zufall abhängig ist. Das trifft auch auf Sportwetten oder Poker zu. Zwar haben diese Glücksspiele einen geringen sogenannten „Kompetenzanteil“, die Karten werden aber zufällig verteilt und beim Wetten auf den Ausgang eines Sportereignisses gibt es natürlich auch eine ziemlich große Zufallskomponente (z.B.: Der beste Spieler auf dem Platz verletzt sich und kann nicht weiterspielen).

Wer gewinnt wirklich mit Glücksspielen?

Trotzdem machen insbesondere die Anbieter:innen von Sportwetten damit Werbung, dass man durch Zocken (Wetten)  das eigene  Wissen zu Geld machen kann – ein Trugschluss. Glücksspiele eignen sich grundsätzlich nicht dazu, reich zu werden. Auf lange Sicht gewinnen immer die Anbieter:innen, während die Spieler:innen verlieren. Leider ist es kein Geheimnis, dass die Teilnahme an Glücksspielen insbesondere für junge Menschen verlockend scheint. Die Gründe zum Zocken (Glücksspielteilnahme) sind oft  vielseitig. Sie reichen von Neugier, Nervenkitzel und Spaß bis hin zur Verdrängung negativer Gefühle. In der Abbildung findest du ein paar Beispiele. Darüber hinaus gibt es natürlich noch viele weitere Gründe.

Was sind die Motive?

Wichtig ist, dass man sich der eigenen Motive stets bewusst sein sollte indem man sich fragt, warum man gerade jetzt und warum genau dieses Glücksspiel zocken möchte. Wenn negative Gefühle oder die Hoffnung auf das große Geld Teil der Antwort sind, solltest du lieber die Finger vom Glücksspiel lassen.

 

 

Gründe für das ZockenGründe und Motive für das Zocken: 1. Erfahrungen 2. Vorbilder 3. Neue Trends 4. Sportbegeisterung 5. Kleines Geld 6. Nervenkitzel und Spaß 7. Abschalten

Dauerkontakt mit Glücksspielen

Die Medien sind voll mit Glücksspielwerbung. Überall im Fernsehen, bei Streaming-Diensten wird man mit Angeboten und Bonuszahlungen gelockt. Die Verführung ist groß und auch in scheinbar harmlosen Computer- und App-Spielen, die gar nichts mit Glücksspiel zu tun haben, finden sich Elemente oder Simulationen aus dem Glücksspielbereich. Selbst bei der Live-Übertragung des nächsten Bundesliga-Spiels lauert der nächste Wettanbieter schon auf der Bande. Es ist nahezu unmöglich, keinen Kontakt mit Glücksspielen zu haben. Sei es durch die massive Werbung der Anbieter:innen oder den eher beiläufigen Kontakt in scheinbar harmlosen Handy-, Computer-, oder Videospielen. Das Problem: Durch den ständigen Kontakt mit Glücksspielen werden diese zur Normalität. Sie scheinen irgendwie etwas Alltägliches zu sein, suggerieren Spaß, die Aussicht auf schnelles Geld, den perfekten Zeitvertreib und die Chance, das eigene Wissen zu Geld zu machen.

Simuliertes Glücksspiel

Simulierte Glücksspiele ähneln vom Aufbau her dem richtigen Glücksspiel. Allerdings ist in der Regel mindestens ein Kriterium für Glücksspiel (Geldeinsatz, Geldgewinn, Zufall) nicht erfüllt. Zum Beispiel verbleibt der Gewinn in Form von Punkten oder Gegenständen im Spiel, Algorithmen steuern das Ergebnis oder der Geldeinsatz ist optional, um sich einen Vorteil im Spiel zu erkaufen. Bestimmt bist auch du schon einmal über ein Glücksrad, einen Automaten oder eine Beutekiste, der sogenannten Lootbox, gestolpert. Da diese Elemente rechtlich nicht zum Glücksspiel zählen, dürfen sie bereits von Personen unter 18 Jahren gespielt werden – allerdings nicht ohne Risiken. So werden durch simulierte Glücksspiele, beispielsweise beim Pokerspielen um Punkte, häufig unrealistische Gewinnerwartungen gefördert. Die Hemmschwelle, an echtem Glücksspiel teilzunehmen, sinkt.

 

7,6 % der 16-17 Jährigen hat in den letzten 12 Monaten teilgenommen

Bereits 7,6 % der 16- und 17-Jährigen haben laut neuesten Untersuchungen in den letzten 12 Monaten an einem Glücksspiel teilgenommen. Und das, obwohl die Teilnahme an Glücksspielen in Deutschland erst ab 18 Jahren erlaubt ist. Bei den 18- bis 20-Jährigen sind es bereits 16,2 % und bei den 21- bis 25-Jährigen fast jede*r Vierte (24,3 %).[1]

Am beliebtesten sind bei den Jugendlichen (16- bis 25-Jährigen) Rubbellose und Lotto (6 aus 49). Doch auch Geldspielautomaten in Gaststätten und Spielhallen, Sportwetten, Automatenspiele im Internet, Poker und Black Jack werden im Vergleich zu anderen Glücksspielen häufiger gespielt. Dabei nehmen deutlich mehr Männer als Frauen an Glücksspielen teil. [1]

Ab wann ist es problematisch?

Die Teilnahme an Glücksspielen ist an sich zunächst nichts Schlimmes. Verschiedene Faktoren können jedoch dazu führen, dass sich ein problematisches Spielverhalten entwickelt, bei dem beispielsweise die Kontrolle über das Ausmaß und den Umfang des Spielens verloren geht, Schulden entstehen oder es kommt zu Auswirkungen auf das familiäre, berufliche oder schulische Umfeld. Dieser Prozess findet meist schleichend statt. Oftmals wird zunächst nur der Umfang des Spielens gesteigert. Aus 5€ Einsatz werden 10€, aus einmal im Monat wird einmal in der Woche, usw. Häufig versucht man dann, das Ausmaß zu vertuschen, belügt Freunde und Familie oder spielt nur noch heimlich. Das sind bereits die ersten Anzeichen, dass das Spielverhalten nicht mehr unproblematisch ist. Es kann aber auch sein, dass man andere Hobbies vernachlässigt, Treffen mit Freund*innen verschiebt oder Termine versäumt, weil das Glücksspielen immer weiter in den Vordergrund rückt. Wenn man sich Geld leiht, um weiterzuspielen, macht man bereits erste Schulden. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Geld direkt zum Spielen verwendet wird oder für Dinge, die man aufgrund der Zockerei ansonsten nicht mehr bezahlen könnte. Trotz der negativen Auswirkungen ist es schwer, einfach mit dem Spielen aufzuhören. Die Kontrolle über das eigene Spielverhalten geht verloren.

 

Quelle: Buth / Meyer / Kalke 2022

Glücksspielstörung und Jugendliche/ junge Erwachsene:

In der Abbildung kannst du sehen, dass das leider gar nicht so wenige junge Menschen betrifft. So weisen etwa 4,3 % der 21- bis 25-Jährigen eine Glücksspielstörung auf [1]. Das bedeutet, dass es unter 23 Personen dieser Altersgruppe eine gibt, die einen problematischen bzw. süchtigen Umgang mit Glücksspielen hat.

Grundsätzlich gelten Jugendliche und junge Erwachsene als besonders gefährdet, zumindest zeitweise glücksspielbezogene Belastungen zu entwickeln [2]. Das bedeutet aber nicht, dass alle junge Menschen von Glücksspielen süchtig werden. Wenn du ab und zu an einem Glücksspiel teilnehmen willst, gibt es ein paar Tipps, an die du dich für einen möglichst risikoarmen Umgang mit Glücksspielen halten kannst. Welche genau das sind, erfährst du demnächst in einem anderen Artikel.

Wenn du dir unsicher bist, ob dein Spielverhalten unproblematisch ist, kannst du unseren Selbsttest ausfüllen. Dabei erfährst du mehr über deine Spielweise und worauf du achten kannst, damit das Glücksspiel nicht zu Problemen führt. Probiere es gerne mal aus.

 

 

  1. Buth, S.; Meyer, G.; Kalke, J. (2022). Glücksspielteilnahme und glücksspielbezogene Probleme in der Bevölkerung – Ergebnisse des Glücksspiel-Survey 2021. Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung (ISD), Hamburg
  2. Hayer, T., Rumpf, H.-J. & Meyer, G.(2014). Glücksspielsucht. In K. Mann (Hrsg.). Verhaltenssüchte: Grundlagen, Diagnostik, Therapie, Prävention (S. 11 – 31). Berlin, Springer.
Abbildung von SammelkartenQuelle: pexels/ Caleb Oquendo
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Rebekka, 25 Jahre

Zwischen Nostalgie und Investition – Pokémon Sammelkarten

Pokémon ist allen Kindern der 90er und frühen 2000er ein Begriff. Spätestens durch Pokémon Go dann auch der nächsten Generation. Doch die Bedeutung der beliebten Sammelkarten hat sich mittlerweile stark verändert- sie werden mitunter sogar als Geldanlage genutzt. Wie sich der Pokémon Trend entwickelt hat und was es mit den Sammelkarten als Währung auf sich hat, erfahrt ihr hier.

Für viele ist die Pokémon-Ära mit einem starken Nostalgiegefühl verbunden. Tauschen von Sammelkarten auf dem Schulhof, die Anime-Serie und die Spiele erinnern an die Kindheit und frühe Jugend. Doch besonders die Sammelkarten sind auch heute den meisten ein Begriff. Obwohl diese Karten natürlich auch Teil eines Spiels sind (einer Mischung aus Skat und Schach), werden und wurden sie selten zum Spielen genutzt. Vielmehr liegt ihr eigentlicher Zweck im Tauschen, wobei der Wert jeder Karte einzeln bestimmt wird. Der Trend geht hierbei immer weiter weg vom eigentlichen Sammeln und hin zum Investment-Tipp.

Person hält ein Pokémon Ball in die KameraQuelle: pexels/ Vincent M.A.

Investieren in Pokémon-Karten?

Der größte Unterschied zwischen früher und heute ist der Wert der Pokémon-Karten. Heute sind bestimmte Karten, die es nur selten gibt, teilweise sehr viel Geld wert. Das hat dazu geführt, dass einige Personen ein richtiges Geschäft aus dem Sammeln von Pokémon-Karten gemacht haben. Der Hype um die Karten geht also mittlerweile eher in Richtung Investitionschance und Geld.

Wert bestimmen

Wie wird der Wert einer Pokémon-Karte überhaupt definiert? Auf jeder Karte kann man anhand verschiedener Symbole ablesen wie „rare“, also selten sie vorkommt. Früher wurden die Karten mit in die Schule genommen und auf dem Schulhof getauscht. Heute werden Pokémon-Karten sehr viel vorsichtiger behandelt, ihr Wert wird nämlich nicht nur durch ihre Seltenheit, sondern auch durch ihren Zustand bestimmt. Dafür gibt es ein sogenanntes „Grading“, bei dem die Karte einen Wert erhält, wobei der Zustand natürlich miteinbezogen wird. In perfektem Zustand hat eine Karte dann einen Wert von PSA 10. PSA (Professional Sports Authenticator) ist der bekannteste Grading-Service, bei dem man den Wert einer Karte bestimmen lassen kann. So kann es möglich sein, dass zum Beispiel eine deutsche Glurak-Karte der allerersten Generation, die in perfektem Zustand ist, für ca. 40.000 Euro verkauft werden kann. Natürlich verkaufen viele Sammler*innen solche Karten nicht, denn der Wert dieser Karten steigt stetig an.

Reich werden mit Pokémon-Karten?

Überlegt ihr euch jetzt, eure alte Sammlung aus dem Keller zu holen und damit dann richtig Geld zu machen? Dabei kann man leicht enttäuscht werden. Pokémon wurde früher als Spiel gesehen und die wenigsten Kinder haben die Karten mit großer Sorgfalt behandelt- und wie wir grade erfahren haben, sollte die Karte im bestmöglichen Zustand sein. Es ist also eher unwahrscheinlich, dass man in einer alten Sammlung auf besonders große Schätze stößt. Dennoch soll es beim Pokémon immer noch um den Spaß gehen. Wenn man ein Display (eine Packung) von Pokémon-Karten öffnet, ist vielen bewusst, dass man im Durchschnitt Geld verliert, weil man mehr Geld für das Display ausgegeben hat, als die enthaltenen Karten wert sind. Dennoch geht es vielen dabei um den Spaß oder auch das Nostalgiegefühl und nicht darum, Geld zu gewinnen.

Glücksspiel?

Aus diesem Grund wird Pokémon übrigens auch eher nicht als Glücksspiel bezeichnet. Beim Glücksspiel droht ein kompletter Verlust. Das Ziehen von besonders wertvollen Karten ist zwar auch dem Zufall überlassen, aber es droht kein kompletter Geldverlust. Allerdings sollte man die Entwicklung in den sozialen Medien auch kritisch betrachten: Youtuber*innen und Streamer*innen öffnen Pokémon Boxen und geben dafür hohe Summen aus, die den Zuschauenden wahrscheinlich nicht zur Verfügung stehen. Es wäre also möglich, sehr viel Geld zu investieren, wobei trotzdem nicht garantiert ist, dieses zurückzugewinnen.

Bild von Pikachu ein Pokémon TierQuelle: pexels/ Carolina Castilla Arias

Pokémon Go

Apropos Spaß: eine neue Abwandlung aus dem Pokémon-Universum war Pokémon Go, das für Jüngere Spaß und Ehrgeiz brachte und für Ältere für ein Nostalgiegefühl sorgte. Der Unterschied ist hier, dass das gemeinsame Erleben wieder in die Realität zurückverlegt wird. Das könnten unter anderem ein Gründe dafür sein, warum dieses Spiel so beliebt war.

Wusstest du schon…

…dass Personen, die früher viel Pokémon gespielt haben, eine bestimmte Region dafür im Gehirn haben? Diese wird aktiv, sobald man Bilder von Pokémon Charaktere anschaut.
Hier die amerikanische Studie, falls du mehr darüber lesen möchtest: Pokémon & Gehirnregionen

Leuchtende Schatzkiste im DunkelnQuelle: pexels, David Bartus
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Bild von der Autorin DoriaQuelle: Doria Nollez

Doria, 24 Jahre

Loot Boxes - Schatzsuche oder Skandal?

Die Gamer*innen Community scheint zu diesem Thema gespalten zu sein. Manche feiern die seltenen Items, die man gewinnen kann. Andere sind der Meinung, dass Lootkisten überbewertet sind. Wir haben uns das Ganze genauer angeschaut und festgestellt: Loot Boxes und Glücksspiele haben ziemlich viel Ähnlichkeit. Warum? Seht selbst!

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https://www.nature.com/articles/s41562-018-0360-1#author-information

https://www.eurogamer.net/articles/2021-04-03-link-between-loot-boxes-and-problem-gambling-robustly-verified

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7902198/

Lootboxen: Verstecktes Glücksspiel in Videogames? (evz.de)

Adolescents and loot boxes: links with problem gambling and motivations for purchase | Royal Society Open Science (royalsocietypublishing.org)

Ein Mann hält Smartphone und Kreditkarte in seinen Händen
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Spielersperre: So ziehst du die Notbremse

Wenn das Zocken außer Kontrolle gerät, kannst du dich und andere mit einer Spielersperre schützen. Den Zeitraum kannst du selbst bestimmen. Wie das Ganze funktioniert und wer dir dabei hilft.

Du hast schon wieder mehr verzockt, als du eigentlich wolltest? Dir geht’s nicht gut, weil dich dein Spielverhalten nervt und du es nicht mehr wirklich unter Kontrolle hast? Du ärgerst dich, weil dein ganzes Freizeitgeld ins Glücksspiel geflossen ist? Du brauchst einfach mal eine Pause vom Zocken? Doch wie soll es gehen, wenn die Werbung einen überall und ständig in Versuchung führt?

Wenn du die Reißleine ziehen willst, gibt es eine Möglichkeit, die dir Zeit zum Runterkommen und Abstand nehmen verschafft. Mit der zentralen Spielersperre kannst du dich nämlich für einen bestimmten Zeitraum für die meisten in Deutschland zugelassenen Glücksspiele sperren lassen – und zwar egal, bei welchem Anbieter und für welche Spielform. Da die Teilnahme an öffentlichen Glücksspielen in Deutschland erst ab 18 Jahren erlaubt ist, ist dementsprechend auch nur für Erwachsene eine Spielersperre möglich.

Falls du mal testen möchtest, was du über Glücksspiele weißt und wie dein eigenes Spielerverhalten ist, klick dich doch mal hier durch.

Wie funktioniert eine Spielersperre?

Doch was heißt das jetzt genau? Solange du gesperrt bist, kannst du beispielswiese nicht mehr an Sportwetten oder Slots teilnehmen (online und offline). Du bist quasi für fast alle legalen Glücksspielangebote in Deutschland gesperrt. Das liegt daran, dass sich mit Inkrafttreten des neuen Glücksspielstaatsvertrags am 1. Juli 2021 nahezu alle in Deutschland zugelassenen Anbieter von Glücksspielen an die bundesweite Sperrdatei OASIS anschließen müssen. OASIS steht für Onlineabfrage Spielerstatus. Jedes Mal, bevor du an einem Glücksspiel teilnimmst, müssen die Anbieter*innen überprüfen, ob eine Sperre für dich in dem System hinterlegt ist. Wenn das der Fall ist, muss dir die Spielteilnahme ohne Ausnahme verwehrt werden.

Hier findest du eine Liste, welche Anbieter*innen an das Sperrsystem OASIS angeschlossen sein müssen:

  • Betreiber*innen von Spielhallen (mit Geld- und Warenspielgeräten) und Spielbanken;
  • Veranstalter*innen (und Vermittler*innen) von (Online-)Sportwetten, Online-Casinospielen, Online-Poker, virtuellen Automatenspielen;
  • Anbieter*innen von Lotterien, die häufiger als zweimal pro Woche veranstaltet werden;
  • Anbieter*innen von Pferdewetten im Internet;
  • gewerbliche Spielvermittler*innen und Buchmacher;
  • Aufsteller*innen von Geld- oder Warenspielgeräten in Gaststätten.

Wie lange dauert eine Spielersperre?

Wenn du dich selbst sperren willst, hast du die Wahl und kannst entscheiden, ob du eine unbefristete oder eine befristete Sperre beantragen möchtest. Lass dich von den Begriffen jedoch nicht täuschen. Der einzige Unterschied zwischen den beiden Sperren ist die Mindestsperrdauer. Die sogenannte „unbefristete“ Sperre dauert mindestens ein Jahr. Während dieser Zeit besteht für dich keine Möglichkeit, am Glücksspiel teilzunehmen oder deine Sperre aufzuheben. Bei der „befristeten“ Sperre kannst die die Mindestsperrdauer selbst festlegen. Du kannst einen Zeitraum zwischen drei Monaten und lebenslang wählen.

Du brauchst dir allerdings keine Sorgen zu machen, dass deine Sperre mit Ablauf der Mindestsperrdauer automatisch endet. Sie ist so lange weiterhin aktiv, bis du einen Antrag auf Entsperrung stellst. Damit musst du jedoch warten, bis deine Mindestsperrdauer erreicht ist. Vorher wird keine Entsperrung durchgeführt. Das gilt sowohl für die befristete als auch unbefristete Sperre. Erst nach Ablauf der Mindestsperrdauer und nachdem der Antrag durch ist, kannst du wieder am Glücksspiel teilnehmen.

Ist das kompliziert?

Das klingt erstmal alles ganz schön kompliziert. Letztendlich ist es aber recht einfach. Du musst lediglich einen Antrag zur Spielersperre ausfüllen und sendest diesen dann gemeinsam mit allen notwendigen Unterlagen an das Regierungspräsidium Darmstadt. Diese Behörde ist deutschlandweit für die Spielersperren zuständig. Zusätzlich unterstützen dich telefonisch, online oder vor Ort in einer Beratungsstelle auch Fachkräfte bei deinem Antrag. Wen genau du um Unterstützung bitten kannst, findest du in der Angebotsdatenbank.

Alle Informationen sowie die entsprechenden Sperranträge findest du auf der Seite des Regierungspräsidiums Darmstadt und in diesem Infoflyer.

Du hast auch die Möglichkeit, für eine*n Freund*in oder jemanden aus deiner Familie eine Spielersperre zu beantragen, wenn du dir Sorgen wegen des Glücksspiels machst. Dafür gibt es die Fremdsperre. Hier sind allerdings ein paar Dinge mehr zu beachten. Unter anderem muss die Glücksspielsuchtgefährdung der Person nachgewiesen werden, die gesperrt werden soll. Diese hat nach Einreichung der Sperre dann die Möglichkeit, noch einmal dazu Stellung zu nehmen. Alle wichtigen Informationen zu der Fremdsperre findest du hier.

Zum Abschluss noch ein kleiner Hinweis, wenn du gerade in einem Glücksspielrausch bist und es dir zu heiß wird: Wenn du in einem legalen Online-Casino zockst oder andere legale Online-Glücksspiele nutzt (z.B. Sportwetten, Poker), muss es auf jeder Seite, auf der du aktiv am Glücksspiel teilnimmst, eine Art „Notfallknopf“ geben. Wenn du diesen Button betätigst, bist du sofort für 24h für alle Glücksspiele gesperrt. Die Sperre endet automatisch nach 24h. Danach kannst du wieder weiterspielen.

 

Austauschen?

Du möchtest dich zu dem Thema mit jemandem austauschen? Du denkst darüber nach, für dich oder eine andere Person eine Spielersperre einzurichten? Hier findest du Anlaufstellen in deine Umgebung – oder online.

 

Quelle: Intern

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